Russland mit anderen Augen betrachtet
Seit meiner Kindheit
habe ich Kontakte zu russischen Freunden, habe Russisch studiert, war Lehrer,
später nach meinem 4-jährigen 2. Direktstudium Außenpolitik mehrer Jahre in der
Abteilung sozialistische Länder tätig und habe mich dabei auch mit Russland
beschäftigt.
Heute ist Russland
nicht nur ein wissenschaftliches ernsthaftes Hobby von mir, das wir zusammen
mit Dr. Falkenhagen bearbeiten, sondern es ist ein Land, in dem viele meiner
Freunde leben und arbeiten.
In 3 Tagen, am 7.
November wird überall auf der Welt seitens der Unterdrückten dieser Erde an den
93. Jahrestag der Oktoberrevolution erinnert.
Russland war das 1.
Land auf der Erde, das die Lehren von Karl Marx und Friedrich Engels in die
Praxis umgesetzt hat und über 70 Jahre eine andere Gesellschaftsordnung ohne
Unterdrückung der Arbeiterklasse und Bauernschaft praktizierte.
Seit dem offenen
Verrat Gorbatschows aber, diskutiert man sogar unter Linken ernsthaft darüber,
ob denn die Oktoberrevolution demokratisch genug war, da sie ja, hier wird an
die Ermordung der Zarenfamilie erinnert, mit der Ausbeuterklasse rigoros
Schluss gemacht hat.
Dass die Ausbeuterklasse
nie Rücksicht auf die Volksmassen genommen hat ( durch zügellose Ausbeutung
wurden Hunger und früher Tod der Betroffenen billigend in Kauf genommen !) wird von den betroffenen Linken geflissentlich
ausgeklammert.
Man bedient damit
bewusst oder unbewusst die Interessen der Ausbeuterklassen und das wird zurecht
Opportunismus, beziehungsweise Revisionismus der marxistisch-leninistischen
Idee genannt.
Heute, nach über 20
Jahren Verrat an der Sache der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten und dem
dadurch bedingten Zusammenbruch des sozialistischen Weltsystems, schauen die Menschen
immer noch voller Erwartung nach Russland.
Mein Mann und ich
reisen seit Jahren auch nach der so genannten Wende in dieses Land und besuchen
dort unsere russischen Freunde, die wir seit DDR-Zeiten kennen.
Kurz zur Lage in
Russland
Nach der nicht freiwilligen
Machtübergabe des russischen Präsidentenamtes von Jelzin auf Putin hatte sich die Wirtschaft in Russland wieder
stabilisiert.
Er selbst schätzt die
damalige Lage, als er die Macht übernahm, in seiner Rede an die Nation im
Frühjahr 2008 wie folgt ein:
„Ein bedeutender Teil
der Wirtschaft wurde von Oligarchen oder offen
kriminellen Strukturen kontrolliert.
In der tiefsten Krise
befand sich die Landwirtschaft.
Die Finanzen des
Landes lagen danieder und hingen praktisch vollständig von ausländischen Kreditgebern ab. Und das führte in letzter
Konsequenz zur Zahlungsunfähigkeit im Jahre 1998, was zur Schließung vieler
Fabriken führte, zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit und Armut.
Die Inflation hatte auch ohnedies alle geringen Ersparnisse der Bürger Russlands
aufgefressen. Im Jahre 1999 betrug sie 36,5 % . Anfang
des Jahres 1999 hatten die Verschuldungen hinsichtlich der Auszahlung der
Arbeitslöhne, Renten und Unterstützungen ihren Höhepunkt erreicht.... In
einigen Betrieben betrug die Nachzahlung von Arbeitslöhnen 2 Jahre.
Auf das Jahr 1991
bezogen machten die Einkünfte der Bürger lediglich 40 % aus, Renten noch
weniger. Das Resultat war, dass fast ein Drittel der Bevölkerung Einkünfte
unter dem Existenzminimum hatte.
Was bedeutete das ? Ein Drittel der Bevölkerung war verarmt. Vollständig.
Die schwere Situation
in der Wirtschaft, im sozialen Bereich trug dazu bei, dass viele
Werteorientierungen verloren gingen und der Gesellschaft ein psychischer Schlag
versetzt wurde. Die Korruption und das Verbrechertum nahmen zu. Es verstärkte
sich auch die demographische Krisis. Die Geburtenrate sank, die Sterberate nahm
zu.
Das reiche Russland
hatte sich in ein Land armer Leute verwandelt.
Unter diesen
Bedingungen begannen wir unseren Plan zu realisieren, den Plan, Russland aus
der Krise herauszuführen. Und vor allem galt es, die verfassungsmäßige Ordnung
wiederherzustellen und die elementarsten sozialen Garantien für die Bürger zu
schaffen, sowie die staatlichen Institutionen zu stärken.........
Putin führt in seiner Rede einige Fakten für den
Aufschwung Russlands an:
„In den vergangenen 8 Jahren hat sich der Umfang der ausländischen
Investitionen in der russischen Wirtschaft um das Siebenfache vergrößert. Ich
erinnere daran, dass in der Vergangenheit der jährliche Abfluss von Kapital
10-15- 20 und manchmal sogar 25 Mrd. US Dollar betrug. Aber im vergangenen Jahr
wurde ein Rekord erzielt: ein absoluter Zustrom von Kapital von 82,3 Mrd.
Dollar.
Die Fondwirtschaft entwickelte sich
fantastisch- im Vergleich zum Jahre 1999 wuchs sie um das 22- Fache ! Nach diesen
Kennziffern haben wir bereits im Jahre 2006 Mexiko, Indien, Brasilien und sogar
Südkorea, welches hohe Entwicklungstempi aufweist, überholt.
Im Jahre 1999 betrugen die Fondanlagen 60 Milliarden Dollar, im Jahre
2007 bereits
1 Billion 330 Milliarden US- Dollar.
Der Warenumschlag Russlands mit dem
Ausland erhöhte sich um das Fünffache. Jährlich fahren 6 Millionen unserer
Bürger ins Ausland.“
Da ich auch nach 1989 Russland vor allem als Dolmetscher besucht habe,
stellte ich nach der Machtübernahme Putins in
Russland jährlich ebenso den gewaltigen Unterschied vor allem im wieder
wachsenden Lebensstandard der Bevölkerung seit Gorbatschows und Jelzins Zeiten
fest.
In der deutschen Presse vermittelt man ein völlig einseitiges Bild über
Russland.
Meist wird die Bevölkerung als völlig verarmt hingestellt, was ja auch in
Bezug auf die frühere Sowjetunion zutrifft.